Ich verweise auf dieses Che-Kurzposting und auch auf die erfreuliche - erfreulich linke - nichtisraelfeindliche Debatte im Anschluß. Es steht zu hoffen, dass - den Genossen Dum-Dum, der auf dem letzten Pali-Soli-Kongress zuviel gebechert hat, nehme ich aus - die Linke so langsam begreift: Israel ist in der Tat einfach ein Staat mit diversen Staatsbürgern wie alle andere auch, als solcher verhält er sich in einer verrückt gewordenen oder gebliebenen Welt eben so, wie sich Staaten für gewöhnlich verhalten. Was Hein Michel denken würde, wenn aus Eindhoven oder Rotterdam beständig Raketen einfliegen würden, möchte ich übrigens lieber gar nicht wissen...

Ich persönlich halte Israels Vorgehen für völkerrechtswidrig - Stichwort: Notwehrexzess - und vor allem für falsch, sehr unfrei nach dem Talleyrand-Wort "Das war schlimmer als ein Verbrechen, Sire, das war ein Fehler!" Aber ich höre mir Gegenmeinungen an, und wer die Hamas - eine wirklich üble Gauner- und Verbrecherbande! - für den Träger aufgeklärter Nicht-Entfremdetheit in der muslimischen Welt hält, ist nun wirklich therapiereif. Die Hamas ist dabei in meinen Augen übrigens sozusagen "nicht mal mehr" eine Terror-Orga. Wäre sie eine, sie würde zumindest noch ansatzweise politisch handeln. Darum aber geht es diesem Pack schon lange nicht mehr. Wenn sie nur für einen Funken humanen Verstand hätten - instrumentellen Verstand haben sie leider zur Genüge! - dann wüssten sie: Israel ist vorderhand nicht besiegbar. Und was mache ich mit einem Gegner, der vorderhand nicht besiegbar ist? Bingo! Ich überlege mir, ob ich nicht vielleicht doch mit ihm leben könnte, statt gegen ihn. Aber damit wäre ja meine Legitimation (gegen die "zionistische Einheit") perdü...

Israel, andererseits - so sind die Gesetzlichkeiten in einer formal freien Gesellschaft, wo reflektierte Regeln (freie Wahl) auf eine nicht-reflektierte Bevölkerung treffen, nun einmal - ist in genau die Falle getappt, die die Hamas ihm cynisch gestellt hat. Sie können jetzt entweder 10.000e töten - was mit Recht als Kriegsverbrechen gälte - oder eine weitere Niederlage a la 2006 Libanon einstecken.

Somit: Neues in Nah-Ost? Ich glaube nicht.

Neues könnte es geben, wenn "die" westliche Öffentlichkeit (aber wer ist schon "die" westliche Öffentlichkeit?) sowohl den israelischen Siedlern als auch den Hamas-Banditeros konsequent jede Solidarität verweigerte, sondern sie hart, aber wahr, steckbrieflich als das kenntlich machten, was sie jeweils sind - und zwar gleichzeitig: als Judäo/Islamo-Faschisten! Das aber wird nicht geschehen. Schon haben die Klientel-Mächte ihre jeweiligen Signale ausgesandt: Der Westen wird Israel (mit ein bißchen "Du-Du-Du! Treibs nicht zu dolle"-Gedrohe), die islamische Welt wird den Palis (ebenfalls hie und da mit Einwänden a la Mubarak) die Stange halten. Wir warten auf die hunderste nicht-gewinnbare Runde...