Frau Goetsch vor der Wahl:

Die Landesmitgliederversammlung der GAL, also der grüne Parteitag, hat im letzten Oktober eindeutig das Wahlziel eines rot-grünen Machtwechsels beschlossen. Grundlegend dafür sind unsere Inhalte. Dieses Ziel haben wir vor Augen, dafür lohnt es sich zu kämpfen, und die Erfolgsaussichten sind in den letzten Wochen noch gewachsen.
Mit der CDU fehlt eine inhaltliche Schnittmenge in den wesentlichen politischen Fragen. Die CDU will mit ihrem Zwei-Säulen-Schulmodell weiterhin die Kinder aussortieren, statt für individuelle Förderung zu sorgen. Der CDU-Senat hat es verweigert, das Wattenmeer zum Weltnaturerbe anzumelden. Die CDU hat den Bau eines gigantischen Kohlekraftwerkes vorab genehmigt. Die CDU will die Elbvertiefung. Und und und. Alles Themen, in denen wir Grüne grundsätzlich anderer Auffassung sind. Fragen Sie doch einmal den Ersten Bürgermeister, ob er zu einer Kehrtwende bereit ist - um die Zukunft Hamburgs klug und vorausschauend zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund ist der grüne Landesvorstand der Auffassung, dass die inhaltliche Basis für Koalitionsverhandlungen nicht ausreicht.

Bezeichnend, dass inzwischen niemand mehr diese eindeutigen Aussagen zur Kenntnis nehmen will und wir uns von den Journalisten, die eine auch menschlich widerwärtige "Lügilanti"-Kampagne gefahren haben, anhören müssen, schwarz-grün eröffne "charmante neue Möglichkeiten".

Übrigens: Die Frage der Userin Paula Meyer, auf die Goetsch hier antwortet, darf man sich auf der reichlich belegten Zunge zergehen lassen:

SPD, GAL, Linke oder CDU, GAL.

Wie sieht Ihre Wahl dann aus? Ich hätte gerne eine Antwort, die auch nach der Wahl noch Bestand hat.

Soviel zu den charmanten neuen Möglichkeiten...

Um es noch einmal klar zu sagen: Die Sozialdemokraten, die sich der Union in restloser Selbstpreisgabe wieder und wieder als Mehrheitsbeschaffer und Juniorpartner angedient haben - und dadurch, nebenbei, sich ein paar Pfründe sicherten -, sind die letzten, hier jetzt als Handlungsreisender in Sachen Empörung aufzutreten (fairerweise muss man sagen, dass sie sich öffentlich in der Tat zurückhalten). Warum sollte es in Hamburg die ichweißnichtwievielte schwarz-rote Koalition geben? Warum sollte, was der SPD wieder und wieder Recht war, der GAL nicht billig sein? Ich werfe Goetsch nicht vor - denn der böse Wähler hat so gewählt, wie er gewählt hat -, nunmehr Möglichkeiten auszuloten (Goetsch hatte, wie Naumann, siehe link, auch eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen). Nach der Wahl, das bringt das Verhältniswahlrecht so mit sich, müssen alle, sofern sie keine absolute Mehrheit erlangen konnten, Teile ihrer Worte aufessen.

Mich stört allein die restlos enthemmte und zum Teil, das muss man schon sagen, auch haßerfüllte Verlogenheit, identische Vorgänge einerseits als "Lügilanti", andererseits als "charmant" zu beschreiben. Diese Schmiere ist schon unerträglich.